kaffee aromatisieren

Aktuell kursiert ein neuer Trend in den sozialen Netzwerken. So sieht man auf Instagram oder TikTok immer wieder Influencer, die verschiedene Geschmacksträger dem Kaffeepulver im Siebträger hinzufügen.

Darunter Zusätze wie Zimt, Kakaopulver oder pulverisierte gefriergetrocknete Früchte. Wir fragen uns in diesem Blog nicht nur, ob das schmeckt, sondern auch, ob das funktioniert, ohne dabei der Espresso-Qualität zu schaden.

Kaffeepulver im Siebträger aromatisieren – funktioniert das?

Bevor wir zum interessanten Part – dem Geschmack – übergehen, schauen wir uns erst einmal an, ob man überhaupt willkürliche Zusätze zum Kaffeepulver in den Siebträger geben sollte.

In den besagten Videos sieht man, wie gefriergetrocknete Früchte mit einem Mörser zermahlen werden, anschließend mit der entsprechende Menge Kaffeemehl vermischt und zuletzt mit der gewöhnlichen Tampertechnik in den Siebträger gegeben werden.

Mit Kakaopulver oder Zimt funktioniert das genauso, nur dass in diesem Fall das Pulver nicht mehr hergestellt werden muss, sondern direkt mit dem Kaffee vermischt wird.

Kaffee-Fruchtpulver-Mischung

Erfahrungsgemäß führt die Variante mit den pulverisierten Früchten aufgrund des hohen Zuckergehalts und der Verklebungen zu „Channeling“, was wiederum den Geschmack des Espressos stört. Ein guter Espresso wird durch einen gleichmäßigen Durchfluss des Wassers erreicht. Wer es dennoch probieren möchte, der sollte versuchen, den Anteil des Früchtepulvers unter 5 % der Gesamtmenge des Kaffeepulvers zu halten, damit es kein Problem beim Durchfluss gibt.

Kaffeepulver mit Zimt

Bei Zimt sollte man meinen, es sei einfacher, denn das Gewürz steht meist schon pulverisiert in der Küche. Das Problem: Zimt enthält viele ätherische Öle sowie feine Fasern und beeinträchtigt dadurch noch stärker den Wasserdurchfluss als die pulverisierten Früchte. Obwohl der Espresso bei der Zugabe von Zimt im Siebträger durchaus einen leichten zimtigen Geschmack bekommt, läuft diese Methode Gefahr für einen unerwünschten bitteren Geschmack im Espresso zu sorgen. Um Channeling zu vermeiden, wird bei einer Kaffeemehlmenge von 18 g eine Zimtmenge von 0,3 g empfohlen. Wir würden sagen: Das ist es nicht wert, für das bisschen Aroma.

Kaffeepulver mit Backkakao

Während die vorherigen Varianten zu Channeling führen, führt der hohe Fettgehalt im Backkakao zu einem verlangsamten Durchfluss. Durch die langsame Extraktion gelangen Schokoladenaromen in den Espresso. Wer ein Fan von Zartbitterschokolade ist, dem könnte das gefallen. Auf 18 g Kaffeepulver sollten hier nicht mehr als 1 g Kakaopulver beigemischt werden, ansonsten wirkt der Espresso oft staubig und stumpf.

So aromatisieren Barista-Experten ihre Kaffeegetränke

Der Espresso ist für jeden Barista der Star auf der Bühne und deshalb zählt die Perfektion seiner Zubereitung. Je nach Bohne sollte alles an der Siebträgermaschine so eingestellt sein, dass eine maximale Aromenentfaltung möglich ist. Eine zusätzliche Aromatisierung ist dabei sekundär. Kaffee selbst enthält schon bis zu 1000 verschiedene Aromen und gilt damit als eines der aromenreichsten Naturprodukte weltweit.

Steht erst einmal der perfekte Espresso mit all seinen Aromen und seiner samtigen Crema, können im Nachhinein immer noch weitere Aromen ins Spiel kommen.

Natürlich aromatisierte Kaffeegetränke

Die Priorität liegt also beim Bezug eines perfekten Espressos – danach gibt es wirklich unzählige Möglichkeiten, die den Bezug selbst im Geschmack nicht negativ beeinflussen. Doch nicht nur die Extraktion bleibt beim nachträglichen Hinzufügen von Aromen ungestört, auch die Aromenintensität ist so viel stärker als beim Pulvermix im Siebträger.

Zimt, Kardamom und Co. im Espresso

Zimt, Kardamom, Vanille, Muskat, Sternanis oder Nelken können direkt in den heißen Espresso gestreut werden.

Wer Cappuccino oder Latte Macchiato trinkt, kann seinen Milchschaum mit diesen Gewürzen toppen oder die Gewürze sogar direkt in den Milchschaum einarbeiten.

Espresso mit extra Schokoladennote

Hier am besten ein Stück Zartbitterschokolade in die Espressotasse legen und anschließend den Espresso beziehen, so dass das Schokoladenstückchen schmilzt.

Alternativ können sowohl Backkakao als auch Kakaopulver als Topping auf dem fertigen Espresso oder der Milch verwendet werden.

Ähnlich wie bei den Gewürzen lässt sich das Kakaopulver auch in den Milchschaum einarbeiten, so dass eine schokoladige Schaumkrone auf dem Cappuccino entsteht.

Früchte-Espresso-Mix

Genau wie das Stück Zartbitterschokolade können auch gefriergetrocknete Früchte in pulverisierter Form in die Espressotasse gegeben und anschließend aufgegossen werden. Einmal umrühren und schon hat man eine dezente fruchtige Süße und eine cremige Textur.

Bei Milchgetränken kann das Pulver in die Milch eingearbeitet werden.

Erfrischungs-Tipp für den Sommer:

Etwa 150 ml kalte Milch mit 2 g Fruchtpulver shaken oder aufschäumen. Anschließend Eiswürfel hinzufügen und alles mit einem Espressoshot aufgießen.

Specialty-Coffee-Style mit Zitrusfrüchten

Weniger bekannt aus der Specialty-Coffee-Szene ist die aromatische Verfeinerung von Kaffeegetränken mit der Zeste von Orange, Zitrone und Grapefruit. Dafür benötigst Du die genannten Früchte in Bioqualität, denn es geht der Schale an den Kragen. In ihr befinden sich die geschmacksintensiven ätherischen Öle.

Zunächst sollten die Früchte gut gewaschen werden, damit Du anschließend mit einem Sparschäler ein sauberes Stück der Schale gewinnst. Das sollte nicht größer als 4 cm sein und möglichst keine weiße Innenschicht haben. Es muss also ganz fein gearbeitet werden.

Das Stück Schale wird nun mit der Außenseite nach unten über den fertigen Espresso gehalten und zwischen Zeigefinger und Daumen fest zusammengedrückt. Dabei gelangen winzige aromatische Öltröpfchen in die Crema und beeinflussen so den Geschmack des Espressos.

Unser Fazit zu aromatisierten Kaffeegetränken

Die natürliche Aromatisierung ist immer die bessere Wahl, denn Kaffeebohnen sind von Natur aus extrem reich an Aromen. Es wäre also eine Beleidigung für die Kaffeebohne höchstpersönlich, einen künstlich aromatisierten Kaffee zu kaufen.
Wer gerne ein paar Geschmacksexperimente mit natürlichen Aromen wagen möchte: GO FOR IT! Diese Experimentierfreude ist irgendwie Teil der Baristakunst. Nur bevorzugen wir das nachträgliche Aromatisieren und lassen den Siebträger dabei komplett aus dem Spiel, um weiterhin einen homogenen Wasserdurchlauf zu ermöglichen und das absolute Maximum aus dem Espresso selbst herauszuholen.